Schweiz - Stoos

Mein durch Corona verlängerter Sabbatical und die Möglichkeit, sich mit den nötigen Sicherheitsmassnahmen in der Schweiz bewegen zu können, erlaubten mir schöne Ausflüge während des ganzen Augusts im eigenen Land. Planen musste ich da nicht viel, da ich eh sehr spontan gestrickt bin. Ich nahm also die Tage, wie sie kamen. Kam doch die Werbung über den Stoos an einem lauen Sommerabend gerade richtig, so wollte ich doch am nächsten Tag unterwegs sein. Als Soloreisende bin ich nicht nur mehrere Tage im Ausland unterwegs, nein, ich reise ebenfalls allein auf Tagestouren in der Schweiz. Warum gerade Stoos? Finde es heraus

Spontan und allein, herrlich. Morgens zu meiner Zeit und ohne Blick auf die Uhr los, das mag ich, wenn ich im Urlaub irgendwo im Ausland bin. Der Berufsalltag ist sonst schon sehr termingesteuert und alles richtet sich nach dem Rhythmus der Uhr, darauf kann ich sehr gut während meines Abenteuermodus verzichten.

Los geht’s

Die Anreise zum Stoos hatte ich mit dem eigenen Auto gemacht, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anfahrt jedoch ein leichtes. Direkt gegenüber der Talstation befindet sich eine Bushaltestelle, welche mit einem direkten Bus von Schwyz hierher führt. Die Zentralschweiz ist von allen Seiten aus praktisch zu erreichen, so hatte auch ich nur eine knappe Stunde Autofahrt. Bei der Talstation gibt es zahlungspflichtige Parkplätze, das neu gebaute Parkhaus bietet genügend Platz für Berggänger.

Ich sah schon vom Parkplatz aus, warum ich gerade diesen Ausflug gewählt hatte. Die etwas eigenwillige Baukonstruktion dieser Standseilbahn wollte ich mit eigenen Augen sehen. Die steile Bergfahrt – die steilste der Welt und somit Weltrekordhalter, liess mich für einen Moment mit offenem Mund dastehen. Nichts wie los, schliesslich wollte ich doch auch mitfahren.

Tipp: kaufe dein Ticket online. Mit dem per Mail zugestellten QR-Code kannst du dein Ticket vor Ort an einem Automaten direkt beziehen, ohne langes Anstehen.

Während ich wie ein kleines aufgeregtes Mädchen in der Bahn auf den Start wartete, so musterte ich meine Fahrtkollegen. Familien, Wanderer, da war alles dabei. Doch die Wanderer haben mich zum Nachdenken gebracht. Ich habe nicht sehr viel vor meinem Ausflug recherchiert, so hoffte ich doch in diesem Moment inständig, dass ich mit meinem nicht vorhandenen Fitnesslevel gut auf dem Berggipfel ankommen würde. Ich habe online nur das Bild von der Bergstation der Sesselbahn gesehen und dachte mir nichts weiter dabei. Nun ja, los ging es trotzdem.

Die Gegend bietet allerlei Ausflüge und Touren, meint der etwas ältere Herr im Bahnabteil. Er muss wohl meinen fragenden Blick bemerkt haben. Die Gratwanderung zwischen Klingenstock und Fronalpstock sei eigentlich ein Muss und schon eher was für Anfänger. Aha, also ich als Anfänger bevorzuge stattdessen den bequemen Weg mit den Seilbahnen.

Ein Mammutprojekt: die Standseilbahn

Ehrlich gesagt, die 1740 m Fahrt dauerte weniger lang, als die Fakten hier für dich zusammenzutragen. Die 47 Grad Steigung sind beeindruckend. Keine anderen Standseilbahn ist steiler. Dank dem automatischen Niveauausgleich der Kabinen stand ich immer waagerecht, die Bahn ist dadurch auch mit dem Rollstuhl zugänglich. Die Bergstation ist mitten im Dorf, aber noch lange nicht auf dem Berg. Etwa 10 Minuten Fussweg durch das kleine, beschauliche Dorf, welches im Winter ein Skigebiet ist. Weiter ging es mit einem Sessellift, welcher meine Höhenangst ein bisschen herausforderte.

Auf dem Gipfel ist es Zeit für Essen

Was wäre ein Ausflug ohne Essen? Genau, Kurven kommen nicht von allein. Oben angekommen hatte ich eine Weile die grossartige Aussicht bewundert. Ein herrliches Panorama über den Vierwaldstättersee und die Alpen boten sich mir. Danach hatte ich ein schattiges Plätzchen auf der Terrasse gesucht. An diesem Tag schienen noch andere Ausflügler die gleiche Idee gehabt zu haben, sodass ich drinnen im Restaurant Platz nahm. Zwar Selbstbedienung und das teuerste Mittagessen, seit langem. Aber lecker wars.

Du kannst dir ja denken, dass ich die Wanderung von dem älteren Herrn im Zug empfohlen nicht auf mich genommen hatte und stattdessen den gleichen Weg wieder hinuntergefahren bin. Ein schöner Ausflug mit viel Aussicht, auch für Nicht-Wanderer.